Inklusion lindert den Fachkräftemangel

Im Berufsbildungswerk Waiblingen am 28.10.2015

Im Berufsbildungswerk Waiblingen am 28.10.2015

Die Einbeziehung von Schwerbehinderten in den ersten Arbeitsmarkt hilft, den Fachkräftemangel zu lindern. Dies wurde bei einem Unternehmerabend im Waiblinger Berufsbildungswerk (BBW) deutlich, den der Liberale Mittelstand (LIM) am 28.10.2015 zum Thema “Fachkräftegewinnung mit Mehrwert” durchgeführt hat.

Das Thema sei brandaktuell, sagte LIM-Landesvorsitzende Agnes Baldauf in ihrer Einführung. Viele kleine und mittlere Betriebe hätten inzwischen erhebliche Schwierigkeiten, Auszubildende und Fachpersonal zu gewinnen. Der Leidensdruck im Mittelstand steige. Die Inklusion von Schwerbehinderten mache deshalb Sinn.

Dies bestätigte auch Jochen Haußmann, sozialpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Stuttgarter Landtag. Obwohl die FDP in der Opposition sei, unterstütze sie den Landesinklusionsplan der grün-roten Landesregierung als sinnvolles Instrument. Für Haußmann kommt es darauf, möglichst viele Unternehmen zu motivieren, Schwerbehinderte anzustellen. Ob dies allerdings mit finanziellem Druck wie der Erhebung der Ausgleichsabgabe gelinge, sei zweifelhaft, so Haußmann. Die Frage der Inklusion, also der Einbeziehung von benachteiligten Menschen in den Arbeitsmarkt, erhalte auch vor dem Hintergrund der Einwanderung von Flüchtlingen zudem eine ganz neue Qualität.

Franz Xaver Baur, Einrichtungsleiter des BBW, beschrieb sein Unternehmen als “Inklusionsmotor für die Gesellschaft”. Das BBW bildet gegenwärtig rund 660 benachteiligte junge Menschen aus, um sie fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Das BBW habe eine sehr hohe Vermittlungsquote und betreue die Jugendlichen auch sozialpädagogisch.

Alexander Schwarz, der sich bei der Handwerkskammer Region Stuttgart mit Fragen der Inklusion beschäftigt, verwies darauf, dass 25 Prozent der Schwerbehinderten keine sichtbaren Beeinträchtigungen hätten. Wenn es Unternehmen gelinge, ressourcenorientiert zu denken, dann hätten schwerbehinderte Menschen eine gute Chance, ihre Fähigkeiten zu entwickeln.

Aufgrund des Fachkräftemangels sei es für Unternehmen wichtig, “alle Erwerbspotenziale auszuschöpfen”, betonte Robert Steinbock, Teamleiter bei der Agentur für Arbeit in Waiblingen. Steinbock stellte die vielfältigen staatlichen Fördermöglichkeiten vor, die Unternehmen angeboten werden, wenn sie Schwerbehinderte beschäftigen. “Die Inklusion ist ein Baustein der Fachkräftegewinnung. Ich wünsche mir, dass die Arbeitgeber mir mehr offene Stellen für Schwerbehinderte melden.”

Gute Erfahrungen mit der Beschäftigung eines gehörlosen Mitarbeiters hat Schlossermeister Dirk Sanwald aus Backnang gemacht. Seit vielen Jahren arbeite der Schwerbehinderte schon in seinem Betrieb und die Zusammenarbeit klappe inzwischen gut. Allerdings sei er zum Ausgleich der Minderleistung seines schwerbehinderten Mitarbeiters auf staatliche Lohnkostenzuschüsse angewiesen.