Das deutsche Gesundheitssystem steht vor großen Herausforderungen

Haußmann: „Ambulante und stationäre Versorgung muss gesichert werden.“

Das deutsche Gesundheitssystem steht nach der Bewältigung der Corona-Pandemie vor großen Herausforderungen. Das wurde bei einer digitalen Informationsveranstaltung mit dem Sigmaringer FDP-Mitglied und Neurologen Dr. Björn Brenner, dem FDP-Bundestagsabgeordneten und Facharzt für Innere Medizin, Prof. Dr. Andrew Ullmann und Jochen Haußmann, dem gesundheitspolitischen Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, deutlich.

Prof. Ullmann erklärte, die Corona-Krise habe das deutsche Gesundheitswesen in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt. Das deutsche Gesundheitssystem sei prinzipiell gut, aber teilweise überreguliert, was die Dokumentationspflichten und die Finanzierungsmodalitäten angehe. 

Die Bundesregierung sei nicht gut auf die Corona-Krise vorbereitet gewesen. Schon 2013 habe eine Studie des damaligen Bundesgesundheitsministers Daniel Bahr potenzielle Mängel aufgezeigt, die dann 2020 prompt mit fehlenden Masken, geringen Testkapazitäten und mangelhafter Impfstoffversorgung eingetreten seien. 

„Wir waren als Gesellschaft nicht gut vorbereitet und die Bundesregierung hat die Corona-Krise schlecht gemanagt.“ Dieses Missmanagement solle gründlich aufgeklärt werden, damit sich solche Fehler nicht mehr wiederholen, so Prof. Ullmann.

Für die Landesebene erklärte Jochen Haußmann, Gesundheitspolitik habe bei den Koalitionsverhandlungen von Grün-Schwarz nur eine untergeordnete Rolle gespielt, was vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie verwunderlich sei. Die Landesregierung müsse die ambulante und stationäre Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherstellen. Da höre man von der Landesregierung verdächtig wenig. 

Wichtig sei auch die Verbesserung der Versorgung im ländlichen Bereich. „Es fehlt vonseiten der Landesregierung die Konkretisierung, wie diese Ziele eigentlich zu erreichen sind. Ich befürchte, dass wir in vier bis fünf Jahren Versorgungsengpässe erhalten werden, wenn die Landesregierung jetzt nichts tut.“ Haußmann ließ auch kein gutes Haar am Corona-Management der Landesregierung. Die Terminvergabe für die Impfungen sei gelinde gesagt ärgerlich und etliche Grundrechtseinschränkungen seien sehr fragwürdig.

Dr. Brenner betonte, die Vernetzung von ambulanter und stationärer Versorgung müsse intensiviert werden. Dabei spielten die Digitalisierung, Telemedizin und die Einrichtung von medizinischen Versorgungszentren eine wichtige Rolle, aber auch die Veränderung von Zulassungsbeschränkungen zum Medizinstudium, die es zum Beispiel Pflegekräften mit dem Willen zum Studium den Zugang zu den Medizinfakultäten erleichtern.