Am 9. August 2018 in Weinstadt-Gundelsbach im Weingut Gold. Michael Theurer MdB beim neuen Format „TheurersTalk“ am Donnerstag. Foto: Kiessling

„Europa muss zusammenstehen und einig sein

Schlagfertig, humorvoll, bürgernah und angriffslustig hat sich der baden-württembergische FDP-Landesvorsitzende Michael Theurer bei der Auftaktveranstaltung seiner neu geschaffenen Gesprächsrunde „Theurers Talk am Donnerstag“ im Weinstädter Weingut Gold präsentiert.

 

Der FDP-Kreisvorsitzende und Schorndorfer Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann hatte den FDP-Bundestagsabgeordneten als „Mr. Mittelstand“ in der liberalen Hochburg in Weinstadt-Gundelsbach begrüßt. Es gebe keinen besseren Ort für ein solches Gesprächsformat als ein mittelständisches und familiengeführtes Weingut wie das der Familie Gold. Und der Weinstädter FDP-Ortsvorsitzende Hans Polzer sekundierte: „Hier im Weingut ist alles Gold, was glänzt.“

„Mit einem guten Glas Viertele kann man sich in der Ferienzeit gut regenerieren, vor allem im idyllischen Remstal“, sagte Theurer eingangs. Er genieße Bürgergespräche, weil er den Kontakt mit der Bevölkerung sehr schätze, denn Demokratie beginne im Sinne der Graswurzeldemokratie Reinhold Maiers im direkten Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern.

Die FDP spiele in der Opposition in Berlin eine konstruktive Rolle, unterstrich Theurer. Die Entscheidung, nicht in eine Jamaika-Koalition einzusteigen, habe sich als richtig erwiesen, weil die inhaltlichen Schnittmengen mit den Grünen und der CDU einfach zu klein gewesen seien.

„Der Großen Koalition fehlt der ordnungspolitische Kompass“, so Theurer. Wirtschafts- und Mittelstandspolitik finde in der Großen Koalition gar nicht mehr statt. Die FDP verstehe sich dagegen als die Partei der Sozialen Marktwirtschaft und als Anwalt aller leistungsbereiten Menschen in Deutschland, die mehr individuelle Gestaltungsmöglichkeiten wollten.

Theurer kritisierte den Kreuzzug der Grünen gegen den Diesel. „Wir brauchen Technologieoffenheit, um die Umweltprobleme zu lösen. Und die Grünen sollten zur Kenntnis nehmen, dass auch Elektroautos Emissionen und Feinstaub produzieren.“ Gleichzeitig kritisierte Theurer die Versäumnisse und Betrügereien der einzelnen Hersteller. „Aber die vielen Dieselbesitzer in der Region Stuttgart dürfen jetzt nicht mit Fahrverboten bestraft werden, zumal die Feinstaub- und Stickoxidemmissionen seit drei Jahrzehnten in Stuttgart sinken.“ Theurer plädierte dafür, technische Nachrüstungen von Dieselmotoren zu prüfen. Hier versage die Bundesregierung, weil es keine klare politische Linie im Bundeskabinett gebe.

Zur Europapolitik sagte Theurer, er bedauere den EU-Austritt der Briten ausdrücklich, weil er Europa schwäche. Theurer plädierte vor dem Hintergrund der Donald Trumpschen Handelspolitik, die EU zu stärken. Europa müsse „zusammenstehen und einig auftreten und Bundeskanzlerin Merkel sollte gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Macron die Handelspolitik endlich zur Chefsache machen.“ Die europäische Integration sei die deutsche Unabhängigkeitserklärung gegenüber den Großmächten der Welt. „Die europäische Integration liegt im nationalen Interesse Deutschlands, weil wir nur erfolgreich sein werden, wenn Europa einig ist.“

Scharf ins Gericht ging Theurer mit der AfD, den Reichsbürgern und den linksextremistischen Autonomen. Diese extremistischen Kräfte zielten auf die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie und des liberalen Verfassungsstaates. Es gehe den Extremisten um einen Systemwechsel hin zu einer Diktatur. „Wir brauchen eine wehrhafte Demokratie und einen Aufstand der Anständigen, um unsere Demokratie zu retten“, betonte Theurer.